LILIENBLUT

Elisabeth Herrmann: Lilienblut, cbt, München 2010, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten, €17,95

„Plötzlich hatte Sabrina das Gefühl, in einem Kinofilm gelandet zu sein, in dem jeder die Story kannte, nur sie nicht.“

In bildreichen Worten beschreibt Elisabeth Herrmann das Innenleben ihrer Hauptfigut Sabrina. Sie muss Amelies gewaltsamen Tod verarbeiten. Sabrina lässt der Gedanke an den Abend bevor Amelie starb nicht in Ruhe, sie versucht auf eigene Faust, die Polizei hüllt sich in Schweigen, dem Mörder auf die Spur zu kommen. In Amelies Tagebuch fehlen Seiten, der Ranger des Naturschutzgebietes macht eine Falschaussage und deckt einen Kollegen. Dubiose Geschäfte haben Amelies Vater und seine Kumpel mit Schiffern getätigt, um die Hafensteuer einzustreichen. Wie ein Puzzle setzt sich langsam ein Bild von der Todesnacht zusammen und dann taucht eine zweite Leiche auf. Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Sabrina freundet sich mit Lucas an, der ihr helfen will und mit Beate, einem sehr ehrlichen wie widersprüchlichen Mädchen. Je mehr Sabrina jedoch herausfindet, um so mehr scheint sie in Gefahr zu geraten. Neben der Krimihandlung versucht Elisabeth Herrmann aber auch die Geschichte einer Freundschaft zu erzählen. Sabrina beginnt immer mehr an Amelies wahrer Zuneigung zu ihr zu zweifeln. Wer ist eine gute Freundin, wer ein wahrer Freund? Wie hat Amelie Sabrina gesehen? Lucas, mit dem Sabrina nun fest zusammen ist, klammert immer heftiger und beginnt Sabrina einzuengen, um sie an ihren Recherchen plötzlich zu behindern. Am Silvesterabend rettet Lucas Sabrina das Leben. War es ein Unfall oder hat jemand Sabrina mit Absicht in den Rhein gestoßen? Sabrina traut oftmals ihren eigenen Gefühlen kaum und wagt sich doch immer wieder in extrem gefährliche Situationen. Kann sie Beate wirklich trauen und warum wird Lucas immer unberechenbarer? Kilian scheint auf Sabrina fixiert zu sein. Warum, bleibt unklar. Hier kippt die Handlung auch, denn diese so magische Liebe zwischen dem dunklen Kilian und der naiven Sabrina umwabert die Autorin mit wirklich kitschigen Beschreibungen. Auch psychologisch sind die Charaktere sehr durchschaubar. Hier hätte Elisabeth Herrmann doch ihren Lesern mehr zutrauen dürfen.

Der Showdown allerdings wird dann wirklich spannend, obwohl ein geschulter Leser relativ schnell ahnt, wer wirklich hinter dem Verbrechen stecken könnte.